Einfach mal Danke

Liebes Bauernhofteam, liebe Conny,

wir (zwei Jungs, 5 Jahre alt) wollen einfach mal „Danke“ sagen! Die tollen Tage als „Projektkinder“ auf dem Bauernhof sind für uns leider nun vorbei. Aber es hat uns so gut getan, so viel Freude und Spaß gemacht. Wir sind so groß und mutig geworden. Und wir haben erfahren, dass wir so stark sind und viel mehr schaffen können, als wir (und unsere Eltern) uns vielleicht zugetraut hätten.

Vielen Dank besonders an dich, Conny, für deine Liebe und deine Geduld, für dein riesiges Herz und deine Leidenschaft, mit der du uns Woche für Woche so liebevoll aufgenommen hast und uns an deinem Herzensprojekt teilhaben lässt. Wir wünschen euch Gottes Segen und hoffen, dass noch viele andere Kinder die Möglichkeit bekommen, von der wertvollen und wichtigen Arbeit des „Kinderbauernhofs am Brennlesberg“ zu profitieren.

Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick in die vielen Erlebnisse auf „unserem Bauernhof“ geben:

Nur noch einmal schlafen, dann ist endlich wieder Bauernhof! Ich freu mich auf Conny, die anderen Kinder und natürlich auf die Tiere. Mit diesem Gedanken schlafe ich ein und als mich Mama morgens weckt, stehe ich gut gelaunt auf, frühstücke ohne zu trödeln, packe meine Sachen und will dann schnell los. Denn ich werde erwartet...

Conny begrüßt uns wie immer sehr herzlich und dann machen wir uns auch schon an die Arbeit, denn die Tiere haben Hunger und müssen alle versorgt werden. Da sind Hoja (Hund), Momo (Katze), Lokkur, Vestri, Prinsessa, Kampalampi und Nurmi (Pferde), Mocke und ihre Kinder Donald und Daisy (Ziegen), die vier Schweine, die Hasen, Hühner und Enten. Das ist ganz schön anstrengend, aber auch cool. Denn jedes Tier auf dem Bauernhof ist wichtig und braucht etwas anderes. Da gibt es zum Beispiel Nurmi, das ist der Pferdeopa. Der kann schon gar nicht mehr richtig beißen und deshalb müssen wir für ihn Brei machen.

Nachdem alle Tiere gefüttert sind, holen wir unsere Schubkarren und machen uns ans Ausmisten. Als wir ganz neu bei Conny waren, fanden wir das schon ziemlich eklig und stinkig, aber das gehört auf dem Bauernhof eben auch dazu und macht eigentlich sogar großen Spaß. So gibt es viele Dinge, die wir uns zuerst nicht getraut haben. Mittlerweile ist es für uns auch kein Problem mehr, uns zwischen den Tieren ganz normal zu bewegen. Es macht uns nichts mehr aus, wenn uns ein Pferd mit seinem riesigen Kopf anstupst um „hallo“ zu sagen.

Dafür haben wir ja von Conny Regeln gelernt, an die wir uns eben halten müssen, damit uns auf dem Bauernhof mit den Tieren nichts passiert. Und das gibt uns Sicherheit und wir fühlen uns einfach gut und verstehen auch langsam, warum sich die Tiere in manchen Situationen so verhalten, dass wir vor ihnen Angst bekommen, obwohl sie es gar nicht böse meinen. Das ist eigentlich ziemlich gleich wie bei uns Menschen, nur dass Tiere eben nicht wie wir reden können… Wir erschrecken auch manchmal, sind ausgelassen oder gar bockig oder uns geht’s nicht so gut und wir wollen unsere Ruhe haben.

Aber auch sonst ist bei Conny immer was los: mal ziehen wir Rüben aus der Erde und verfüttern sie gleich an die Schweine, mal kommt der Hufschmied oder der Tierarzt und wir dürfen ihnen bei ihrer Arbeit ganz genau auf die Finger schauen.Zum Vesper dürfen wir es uns dann immer im Bauwagen gemütlich machen. Im Winter macht Conny den alten Bollerofen an, im Sommer braucht man den nicht.

Jeder von uns hat im Bauwagen einen Ordner mit Kunstwerken, denn jedes Mal wenn wir uns treffen, schauen wir uns ein Tier vom Bauernhof ganz genau an und malen es. Und dabei lernen wir sehr viel über die Tiere und irgendwie auch über uns selber…

Leider müssen wir uns auch manchmal von Tieren verabschieden und erfahren so, dass es auf dem Bauernhof nicht nur ab und zu kleine süße Babys zu bestaunen gibt, sondern dass zum Leben eben auch das Sterben gehört und nicht alles in der Hand von uns Menschen liegt.

So waren wir schon etwas traurig, als das kleine Entenküken ertrunken ist, weil es sich unter dem Stein eingeklemmt hatte, oder als der Fuchs die Hasenbabys geholt hat, aber der Fuchs hatte eben auch nur Hunger und brauchte was zu fressen, vielleicht hatte er auch gerade Babys?

Damit wir Menschen Fleisch und Wurst haben, werden Tiere auch geschlachtet. Und so kommen beispielsweise jedes Frühjahr kleine Ferkel auf den Hof, die versorgt und großgezogen werden und im Spätherbst kommen sie zu einem Metzger und der macht dann leckeres Fleisch und Wurst daraus. So macht man das auch mit den kleinen Ziegenböcken, wenn sie zu wild werden und so arg anfangen zu kämpfen.

Es gibt aber auch schöne Abschiede, zum Beispiel als das kleine Fohlen Palina so groß war, dass sie mit ihrer Mama Perla auf die Fohlenweide (in den Pferdekindergarten) durfte und total spannend finden wir, dass Lokkur („der Chef“) bald mit dem Flugzeug nach Amerika fliegen wird. Dann wird Vestri der neue Chef von den Pferden…

Nach getaner Arbeit darf sich zum Abschluss jedes Kind so entspannen wie es möchte - und wo geht das besser, als auf dem Rücken eines Pferdes?

Kindergarten mal anders

Man kommt auf den Bauernhof und schon kann man die Hoftiere sehen. Von Weitem sieht man die Kinder herumrennen, die an zwei Vormittagen  die Woche in Matschhose, Gummistiefeln und dicker Jacke bei Wind und Wetter auf dem Bauernhof in Gomaringen sein dürfen. Dort werden sie von der 36 jährigen Cornelia Schäfer ganz herzlich empfangen. Sie ist die Leiterin dieser Art Kinderbetreuung. Auf dem Hof gibt es Ziegen, Pferde, Hühner, Hasen, Katzen, einen Hund und über den Sommer auch Schweine.

Sofort machen sich alle Kinder an die Arbeit, sie misten zuallererst einmal den Pferdestall aus. Jedes der Kinder hat seine eigene Schaufel und Schubkarre, die es mit Mist belädt. Nachdem das geschafft ist, fahren sie los und schütten alles auf den großen Misthaufen hinter dem Haus. Während sie arbeiten, halten sie oft inne, bleiben stehen und streicheln die Tiere ganz vorsichtig, doch das fällt den Kindern nicht leicht, da die Pferde für sie sehr groß und auch beängstigend sind.

Für die Kleinen ist das eine sehr große Überwindung und das Ziel ist, dass sie sich ihren Ängsten stellen, erzählt die 36 Jährige.

Die Kinder gehen alle in einen ganz normalen kirchlichen Kindergarten. Dort werden sie, weil sie zum Beispiel in ihrem Verhalten auffallen, von den Erzieherinnen, in Absprache mit ihren Eltern, ausgewählt und dürfen dann einem Vormittag in der Woche auf dem Bauernhof verbringen. Häufig haben sie Probleme längere Zeit ruhig zu sitzen, in einer Gruppe mitzumachen oder haben auch motorische Schwierigkeiten oder geringes Selbstvertrauen. Das möchte Cornelia Schäfer durch ihre Arbeit mit den Kindern ändern. Sie nennt das Ganze eine Art „Tiertherapie für Kinder“. „Durch die Arbeit und die Zeit, die sie mit den Tieren verbringen, lösen sich die Probleme und vor allem auch die Blockaden, die die Kleinen im Alltag aufweisen“, meint die gelernte Kindergärtnerin. Sie erzählt von einem besonders eindrücklichen Ereignis in den vier Jahren, in denen sie den Kinderbauernhof schon führt. Ein Junge namens Paul hatte den alten Hund sehr lieb und ihn deshalb furchtbar oft umarmt. Er wurde immer gewarnt, eines Tages gebissen zu werden, doch er machte weiter. Und als der Hund einmal nach ihm schnappte, erschrak er furchtbar, doch danach habe er sich komplett verändert. Er machte im Kindergarten mit, er saß im Sitzkreis ruhig auf seinem Platz, ohne zu stören und auch den anderen Kindern gegenüber verhielt er sich lieb und hilfsbereit. Und genau das ist es, was Cornelia Schäfer an ihrer Arbeit mit den Kindern so begeistert: „Ich kann riesengroße Fortschritte bei ihnen sehen, die durch die Tiere ausgelöst werden“, erzählt sie, das begeistere sie immer wieder.

Nach dem Ausmisten des Stalls und dem ausgiebigen Rumtoben gehen alle in den vorgeheizten Bauwagen im Garten. Es wird gegessen, gemalt und Geschichten erzählt. Danach stürmen die Kinder ganz aufgeregt wieder zu den Pferden. Wenn noch genug Zeit ist, nimmt sich Cornelia Schäfer für jeden die Zeit gemeinsam den Tieren näher zu kommen oder auf ein Pferd zu sitzen.

Eines der Kinder ist besonders schüchtern und ängstlich, man kann sehen, wie unsicher der Junge in der Nähe der großen Tiere ist. Bei diesem Jungen ist die Leiterin sich sicher, er würde sich nicht auf eines der Pferde setzen. Aber nur kurze Zeit später sitzt er ganz zufrieden und grinsend auf Vestris Rücken und erklärt nun: „Das ist mein Lieblingspferd, das ist am größten und am schnellsten.“ Als die Eltern der Kinder eintrudeln, um sie abzuholen, kommt die Mutter des Jungen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Am Morgen hat er sich noch geweigert auf den Bauernhof zu gehen und dann traut er sich auf dem größten Pferd zu sitzen“, sagt sie begeistert. Daran kann man deutlich sehen, was die Zeit mit den Tieren ausmachen kann und wie viel es den Kindern hilft.

Cornelia Schäfer hat sich schon mit 18 Jahren mit ihrem Vater überlegt, wie toll es wäre, einen solchen Kinderbauernhof zu gründen. Sie habe in ihrer Pubertät miterlebt, wie sehr der Umgang mit Tieren einen Menschen prägen, verändern und positiv beeinflussen kann. Sie selbst habe die Tiere als eine wichtige Stütze empfunden und genau diese möchte sie den Kindern auch geben. Die Arbeit mit Kindern ist für Frau Schäfer ein Traumberuf, und als sie ihre Idee bei der Kirchengemeinde votbrachte, waren alle vollauf begeistert und wollten sie bei der Umsetzung unterstützen.

Bisher hat sie damit noch keinen richtigen Kindergarten gegründet, es ist ganz einfach ein Zusatzangebot zu dem normalen Kindergarten. Doch zur Zeit spielen Cornelia Schäfer und ihre Familie mit dem Gedanken einen Verein zu gründen, um dieses Angebot langfristig zu erhalten und weiter auszubauen.

Allerdings liegt genau dort das Problem. Das Grundstück, auf dem die Tiere leben und sich austoben, ist nur gepachtet und soll nun verkauft werden. Ohne das Grundstück kann Familie Schäfer die Tiere aber nicht behalten und das würde das Ende dieser „Tiertherapie“ bedeuten. Deshalb versuchen sie durch die Gründung eines gemeinnützigen Vereins genug Spenden zu sammeln, um das Grundstück zu erwerben und somit für noch mehr Kinder ein Angebot machen zu können.

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